Chronik einer Erziehungsanstalt

«Die Geschichte des Schulheims Ried im bernischen Niederwangen ist die Geschichte der 1825 gegründeten ‘Rettungsanstalt Auf der Grube’ und zugleich ein exemplarisches Stück schweizerischer Bildungsgeschichte.»

So beginnt der Klappentext des im Mai 2013 erschienenen Buchs «Gruebe». Es beinhaltet einleitend eine rund sechzigseitige Chronik, die ich zu verfassen hatte. Diese skizziert die Geschichte der Institution «vom religiös inspirierten Idealismus ihrer Gründer bis zum festgefahrenen Pragmatismus, mit dem auf der ‘Grube’ die Reformimpulse des 20. Jahrhunderts abgewehrt worden sind». Der Band umfasst zudem eine Reportage von Patrik Maillard aus dem Jahr 2012 über drei Zöglinge des Schulheim Rieds; erzählerische Annäherungen an die Anstaltsrealität von Marina Bolzli und Gerhard Meister und einen Essay zur Sozialraumorientierung als zukunftsweisender Sozialpädagogik von Wolfgang Hinte.

Für die Stiftung Schulheim Ried stand 2013 das Ende und auf den 1. August die Fusion zur Stiftung Familien Support Bern West bevor. Zweck des Buchs war es deshalb, mit einer ungeschönten Skizzierung der Institutionsgeschichte einen selbstkritischen Schlusspunkt hinter die 188 Jahre «Gruebe» zu setzen. Im Vorwort hiess es: «Der jetzige Stiftungsrat entschuldigt sich an dieser Stelle ausdrücklich für erlittenes und ertragenes Unrecht.» Jedem ehemaligen «Gruebe-Bub» wurde – soweit erreichbar – das Buch als Geschenk überreicht.

Dokumentiert wird untenstehend auch ein Beitrag, den ich kurz nach der Veröffentlichung des Buches für die «Berner Zeitung» geschrieben habe: Er erzählt die Geschichte Josef Winglings, eines «Ehemaligen». Seine Stimme ist eine wichtige Ergänzung der Buchchronik, bei deren Abfassung ich mich in erster Linie auf schriftliche Quellen (insbesondere auf die Jahresberichte) gestützt habe.

Zum Buchbeitrag (mit Einschwärzungen, dazu siehe unten).

Aus dem harten Leben eines «Grube»-Buben, Berner Zeitung, 25. Mai 2013.

                                                                 *

Seit dem 1. März 2017 sind in der vorliegenden PDF-Präsentation meines Buchbeitrags die Seiten 48-54 und ein Satz auf Seite 57 eingeschwärzt. Diese Einschwärzung entspricht dem Punkt 4 einer Vereinbarung, die am 1. Februar 2017 vor der Schlichtungsbehörde Bern-Mittelland abgeschlossen wurde zwischen Hans-Peter Hofer – Heimleiter auf der «Grube» zwischen 2000 und 2005 – und der Stiftung Familien Support Bern West, dem Verleger des Buches, Jürg Spichiger, und mir als Autor. Zur Schlichtung vorgeladen wurde wegen eines Rechtsbegehrens des Klägers, das Argumente im Bereich Persönlichkeitschutz/Datenschutz geltend machte.

Mein Einverständnis zu dieser Vereinbarung hat folgenden Grund: Mein damaliger Auftraggeber, die Stiftung Schulheim Ried, existiert nicht mehr. Es ist nicht die Aufgabe ihrer Rechtsnachfolgerin, der Stiftung Familien Support Bern West, einen Prozess zu führen um ein Buch, das sie im Fusionsprozess als Altlast übernommen hat. Den Streit um einzelne Formulierungen auf sich beruhen zu lassen, entspricht denn auch ihrem Wunsch, dem ich mich anschliesse.

Die Stiftung Familien Support Bern West bietet heute sozial- und sonderpädagogische Dienstleistungen an und arbeitet nach den Prinzipien jener Sozialraumorientierung, die Wolfgang Hinte im «Gruebe»-Buch als zukunftsweisend beschrieben hat.

(28.2.2017)

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